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Nachruf

Versicherungshistoriker aus Leidenschaft

Zum Tod von Professor Dr. jur. Peter Koch

 

 

 

                              Professor Dr. jur. Peter Koch beim Vortrag im Millenniumjahr 2000.   Foto: Privat

 

 

Am 13. August verstarb in Aachen der Versicherungshistoriker Peter Koch im Alter

von 80 Jahren. Mit seinem Tod verliert die Assekuranz ein Multitalent. Koch

betätigte sich im Laufe seines Lebens als Jurist, Wissenschaftler, Versicherungs-

manager, Publizist und Hochschul-lehrer. Die Auseinandersetzung mit der

Geschichte des Versicherungswesens wurde mit zunehmendem Alter Zentrum

seiner Aktivitäten.

 

Seine zahlreichen versicherungshistorischen Forschungen mündeten in der

„Geschichte der Versicherungswirtschaft in Deutschland". Das 2012 im Verlag Versicherungswirtschaft erschienene Buch war sein wichtigstes Werk, nicht nur

aus seiner Sicht.

 

Kochs erste Monographie erschien 1985. Mit dem „Versicherungswirtschaft - Ein

einführender Überblick" hat Koch ein Standardwerk der Ausbildungsliteratur ge-

schaffen, das er im Laufe seines Lebens ständig erneuerte und aktualisierte. Vor

zwei Jahren erschien die siebte überarbeitete Neuauflage dieses Buches.

 

Peter Koch wurde 1935 in Erfurt geboren, studierte 1953 bis 1957 Jura an der

Universität München, danach promovierte er (,,Rechte an Sachen als sonstige

Rechte im Sinne von § 823 Abs. 1 BGB"). In dieser Zeit stieß er zur Versicherungs-

branche. Er assistierte dem Allianz-Mann Heinz-Leo Müller-Lutz. Lutz hatte zu

einem sehr frühen Zeitpunkt die elek-tronische Datenverarbeitung bei der Allianz eingeführt.

 

1961 wurde Koch Gerichtsassessor am Landgericht Nürnberg-Fürth, danach

arbeitete er als Assistent am Seminar für Wirtschaftsrecht und Institut für Versicherungswissenschaft der Universität Erlangen-Nürnberg. Anschließend

ging Koch zur Aachener und Münchener, zunächst als Abteilungsdirektor, dann

wurde er stellvertretendes Vorstands-mitglied der Central Kranken und schließlich

Mitglied und Vorstandsvorsitzender der Aachener Rück.

 

Trotz seiner Tätigkeit in der Verwaltung blieb Koch der Wissenschaft treu. 1969

vertrat er an der Universität Hamburg den Lehrstuhl von Reimer Schmidt,

wechselte dann nach Aachen, wo er 1970 eine Lehrtätigkeit an der RWTH

Aachen aufnahm und 1979 zum Honorarprofessor ernannt wurde.

 

Peter Koch war für viele in der Branche der Versicherungshistoriker schlechthin.

Das hat ihn oft zu der Bemerkung veranlasst, dass er aber eigentlich Versicherer

sei. Tatsächlich war er seit Studienabschluss und Promotion mehr als 30 Jahre un-

unterbrochen in der Versiche-rungspraxis tätig. Seine Verbindung zur Versiche-

rungspraxis hatte er bis zuletzt durch die Teilnahme an den jährlichen Veranstal-

tungen der Branche gepflegt, wohin ihn zumeist seine Ehefrau Luise begleitete.

 

Das kam den Büchern für die Berufsausbildung (beispielsweise der Band

Versicherungslehre I der Lehrbuchreihe Individualversicherung des BWV) zugute,

an denen er tatkräftig mit-wirkte. Als einer der vier Herausgeber des „Handwörter-

buchs der Versicherung (HdV)" leistete Koch einen maßgeblichen Beitrag zur

Schaffung des größten Nachschlagewerkes der deutschsprachigen Versicherungs-

literatur. Das 1.400-Seiten-Werk ist sogar ins Japani-sche übersetzt worden.

 

Großen Raum räumte Koch den Jubiläumsschriften der Unternehmen und

Verbände ein, von der Dokumentation aus Anlass des 100jährigen Bestehens

des Deutschen Vereins für Versicherungswissenschaft (1999) bis hin zu der

Jubiläumsschrift zum 60-jährigen Bestehen der Vereinigung der Versicherungs-Betriebswirte.

 

Seine versicherungsgeschichtliche Forschungsarbeit betrieb Peter Koch mit großer

Leidenschaft. Das Ergebnis seines Schaffens hat sich in einer schier unüber-

schaubaren Fülle von Büchern, Aufsätzen, Festschriften und Unternehmens-

darstellungen niedergeschlagen.

 

Koch fand nicht nur bei Bismarck Bezüge zum Versicherungswesen, sondern

beschäftigte sich auch mit Kafka (der eine kurze Zeit lang für die Generali in

Prag tätig gewesen war) und Mozart. Bereits vor 60 Jahren schrieb der damals

20 Jahre alte Jura-Student Koch seinen ersten Beitrag für die Versicherungswirt-

schaft: ,.Deutsche Versicherer im Spiegel ihrer Festschriften" (15. Juni und 1. Juli

1955). Es folgten Jahrzehnte enger Zusammenarbeit mit dem Verlag Versiche-rungswirtschaft. In einer Sammlung seiner „Beiträge zur Geschichte des deutschen

Versicherungswesens", die zum 80-jährigen Geburtstag Kochs erschienen war,

heißt es im Vorwort: ,.Der Jubilar steht auch noch am Ende seines achten

Lebensjahrzehnts mitten in der Arbeit." Tatsächlich erschien in der April-Ausgabe

der Versicherungswirtschaft Kochs Arbeit über „Bismarcks Bezug zur Versi-

cherung". Dass dieser Beitrag das letzte Werk Kochs für seine große Lesergemeinde

in und außerhalb der Assekuranz sein würde, konnte niemand ahnen - mit seinen Themenvorschlägen fürdie kommenden Hefte hatte er sich bereits mit den im

Jahre 2016 anstehenden Gedenktagen der Versicherungsgeschichte auseinander-

gesetzt.

 

Als Autor fesselte Peter Koch durch gedankliche Präzision und klaren Ausdruck.

Wer ihm einmal zuhören konnte, wie er in freiem Vortrag etwa eine Unternehmen-geschichte präsentiert, zollt ihm spontan und begeistert Anerkennung: ,,Ein Lehrer,

wie man ihn sich als Student nur wünschen kann. Die Klarheit seiner Analyse, die Anschaulichkeit seiner Worte - das bleibt haften", so ein begeisterter branchen-

fremder Zuhörer nach einem Festvortrag von Koch.

                                                                                                                                               Hubert Clemens

 

Quelle: Versicherungswirtschaft, Karlsruhe. H. 9/2015

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