Ernst Wilhelm Arnoldi (1778 - 1841)
Ernst Wil­helm Arnol­di (1778 — 1841)

Ernst Wilhelm Arnoldi (1778 — 1841)

Ernst Wil­helm Arnol­di wur­de am 21. Mai 1778 als ers­tes von neun Kin­dern des Gotha­er Rats­herrn Ernst Fried­rich Arnol­di und sei­ner Frau Sabi­ne Eli­sa­be­the geb. Krehl gebo­ren, sein Geburts­haus steht in Gotha am unte­ren Haupt­markt. Sein Vater betrieb in Gotha ein „Colonial‑, Far­­ben- und Vic­tua­li­en­ge­schäft“. Mit 16 Jah­ren schick­te ihn sein Vater in die Han­se­stadt Ham­burg in die kauf­män­ni­sche Leh­re. Dort wur­de ihm eine her­vor­ra­gen­de prak­ti­sche und theo­re­ti­sche Aus­bil­dung in der Han­dels­aka­de­mie des Johann Georg Büsch ver­mit­telt. Nach deren Been­di­gung blieb er noch in Ham­burg bis zu sei­nem 21. Lebens­jahr.

Nach sei­ner Rück­kehr 1799 trat er 1803 als Teil­ha­ber in das väter­li­che Geschäft ein, das er 1813 als Seni­or­chef über­nahm. 1808 hei­ra­te­te er Johan­na Wil­hel­mi­ne Rosi­na Cron­rath aus Wei­mar (geb. 26.2.1790 in Neuwied/Rh., gest. 15.5.1823 in Gotha), sie hat­ten zusam­men drei Söh­ne und eine Toch­ter. Nach dem Tod von Wil­hel­mi­ne hei­ra­te­te Arnol­di 1825 die Gothae­rin Chris­tia­ne Rosen­berg; die­se Ehe blieb kin­der­los.

Neben viel­fäl­ti­gen unter­neh­me­ri­schen Akti­vi­tä­ten grün­de­te er 1817 am Gotha­er Haupt­markt die „Innungs­hal­le“ als geis­ti­gen und gesel­li­gen Mit­tel­punkt der Gotha­er Kauf­mann­schaft. In Ver­bin­dung damit ent­stand 1818 dort auch deren Han­dels­schu­le, die zur ers­ten deut­schen Han­dels­schu­le für kauf­män­ni­sche Lehr­lin­ge wur­de.

Ernst Wil­helm Arnol­di gilt zwar als „Vater des deut­schen Ver­si­che­rungs­we­sens“, jedoch gab es schon vor sei­nen Grün­dun­gen in Deutsch­land Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men der ver­schie­dens­ten Art, wie z.B. die Meck­len­bur­gi­sche Ver­­­si­che­­rungs-Gesel­l­­schaft a.G. (1797) oder als ältes­te Akti­en­ge­sell­schaft die Leip­zi­ger Feu­er-Ver­­­si­che­­rungs-Anstalt, die heu­ti­ge Alte Leip­zi­ger Ver­­­si­che­­rungs-Akti­en­­ge­­sel­l­­schaft (1819).

Geprägt von per­sön­li­chen Erfah­run­gen beim Brand der väter­li­chen Tabak­fa­brik und der nicht beson­ders kulan­ten Behand­lung durch die Lon­do­ner Phö­nix Ver­si­che­rung arbei­te­te Arnol­di 1819 „Vor­schlä­ge zur Errich­tung einer Feu­er­ver­si­che­rungs­bank für kauf­män­ni­sche Waa­ren­la­ger, Kauf­manns­häu­ser und Mobi­lia­re der­sel­ben“ aus, die von 16 Gotha­er Han­dels­häu­sern unter­schrie­ben und am 2. Sep­tem­ber 1819 im All­ge­mei­nen Anzei­ger ver­öf­fent­licht wur­den. Als am 2. Juli 1820 in Gotha der „Plan der Feu­er-Ver­­­si­che­­rungs-Bank für den deut­schen Han­dels­stand“ ein­schließ­lich einer dazu­ge­hö­ri­gen Sat­zung beschlos­sen wur­de, war dies auch der Grün­dungs­tag der Gotha­er Ver­si­che­rungs­bank, die nach Gotha­er Recht nicht wei­ter staat­lich geneh­migt oder ein­ge­tra­gen wer­den muss­te. Die neue Gesell­schaft war auch an den Grund­prin­zi­pi­en aus­ge­rich­tet, die Arnol­di bereits 1817 ver­öf­fent­lich­te: den Gedan­ken der Gegen­sei­tig­keit und der Aus­deh­nung der Gesell­schaft auf das damals in vie­le grö­ße­re und klei­ne­re Staa­ten zer­split­ter­te Deutsch­land.

Her­zog Ernst I. von Sach­­sen-Coburg-Gotha geneh­mig­te dar­über hin­aus für eine Lebens­ver­si­che­rungs­bank am 9. Juli 1827 die öffent­li­che Bekannt­ma­chung des Pla­nes und zu gege­be­ner Zeit die Errich­tung einer sol­chen Ver­si­che­rung, eben­falls auf der Basis eines Ver­si­che­rungs­ver­eins auf Gegen­sei­tig­keit. Arnol­di zog zur Grün­dung die­ser Gesell­schaft nam­haf­te Fach­leu­te aus dem ver­si­che­rungs­tech­ni­schen, medi­zi­ni­schen und mathe­ma­ti­schen Bereich mit her­an. Zu die­sen als „sie­ben Wei­se“ bezeich­ne­ten Bera­tern gehör­ten Kam­mer­rat von Braun, Medi­zi­nal­rat Dr. Bud­de­us, Kon­sis­to­ri­al­rat Frey­tag, Schul­rat Dr. Rost, Regie­rungs­rat Stie­ler, Kam­mer­kon­su­lent Thie­ne­mann sowie Schul­in­spek­tor Waitz. Die Lebens­ver­si­che­rungs­bank nahm am 1. Juli 1829 im Wohn­haus Arnol­dis am Obe­ren Haupt­markt in Gotha mit fünf Mit­ar­bei­tern ihren Geschäfts­be­trieb auf.

Arnol­di war aber nicht nur Kauf­mann und Grün­der der Feu­er- und Lebens­ver­si­che­rungs­ban­ken, son­dern auch Fabri­kant. Farb­holz­fa­brik, Stein­gut­fa­brik, Zucker­fa­brik und für meh­re­re Jah­re in Pacht auch eine Por­zel­lan­fa­brik gehör­ten zu sei­nen unter­neh­me­ri­schen Schöp­fun­gen.

Aus die­sem Inter­es­se her­aus war er auch maß­geb­lich am Zustan­de­kom­men einer deut­schen Zoll­ver­ei­ni­gung betei­ligt. Bereits 1812 publi­zier­te er in dem „All­ge­mei­nen Anzei­ger der Deut­schen“ Gedan­ken zu Ein­heit und Frei­heit als die zu lösen­den der deut­schen Pro­ble­me. Die­se von dem Gotha­er Rudolph Zacha­ri­as Becker her­aus­ge­ge­be­ne Zei­tung galt deutsch­land­weit als auf­klä­re­ri­sches Infor­­ma­­ti­ons- und Dis­kus­si­ons­fo­rum. Hier konn­te sich Arnol­di mehr­fach zur Über­win­dung der zahl­lo­sen Zoll- und Maut­be­stim­mun­gen in Deutsch­land äußern. Als 1833 ein „All­ge­mei­ner deut­scher Zoll­ver­ein“ geschaf­fen wur­de, schrieb er: „Es ist …eine Refor­ma­ti­on, deren segens­rei­che Wir­kun­gen außer dem Gesichts­krei­se der Gegen­wart lie­gen“ (zitiert nach Erken­bre­cher 1995, S. 81).

Öffent­lich wirk­sa­me Akti­vi­tä­ten zeig­te Arnol­di aber auch auf vie­len ande­ren Gebie­ten. Zur Über­brü­ckung von Miss­ern­ten 1816/17 beschaff­te er unei­gen­nüt­zig rus­si­sches Getrei­de. 1817 setz­te er sich für eine Ver­bes­se­rung der Brau­qua­li­tät des Gotha­er Bie­res ein. 1834 stell­te er 1.500 Taler zur Grün­dung eines Real­gym­na­si­ums zur Ver­fü­gung, das mathe­ma­ti­sches, natur­wis­sen­schaft­li­ches und tech­ni­sches Wis­sen ver­mit­teln soll­te und 1836 eröff­net wur­de. 1859 erfolg­te die Ver­ei­ni­gung die­ser Schu­le mit dem bereits seit 1524 bestehen­den (huma­nis­ti­schen) Gym­na­si­um illus­tre zum „Gym­na­si­um Ernes­ti­num Gothae“.

Er war schließ­lich betei­ligt bei der Errich­tung eines „Ret­tungs­korps für Brand­scha­den­fäl­le“, an einer Gesell­schaft zur Schaf­fung eines Schau­spiel­hau­ses, bei der Grün­dung einer Spar­kas­se auf dem Grund­satz der Gegen­sei­tig­keit, an der Errich­tung eines Löff­ler­denk­mals und beim Erwerb eines Altar­bil­des von Emil Jacobs für die Augus­ti­ner­kir­che. Her­zog Ernst berief Arnol­di 1826 in die „Lan­­des­­wohl­­fahrts-Com­­mis­­si­on“, und von 1832 bis 1835 sowie von 1838 bis 1841 war er auch Mit­glied des Stadt­ra­tes in Gotha.

Neben all dem fand Arnol­di auch noch Zeit, sei­ne poe­ti­schen Fähig­kei­ten aus­zu­le­ben. Wich­ti­ge Ereig­nis­se in der Fami­lie und im Freun­des­kreis beglei­te­te er offen­bar mit Hun­der­ten von Gedich­ten und Sinn­sprü­chen. Bekannt gewor­den sind bei­spiels­wei­se die Stro­phen an sei­ne künf­ti­ge Frau Wil­hel­mi­ne, die er 1806 ver­fass­te (zitiert nach Emming­haus 1877, S. 316):

„Ver­zeih’, o Freun­din, wenn ich lie­bend wage,
Da, wo des Früh­lings Veil­chen noch nicht blü­hen,
‘Zwei Nel­ken, die im stren­gen Win­ter glü­hen,
Dir dar­zu­brin­gen mit der lei­sen Fra­ge:
Wird, wenn die Zeit der Rosen sich uns nahet,
Auch mir der Hoff­nung Rose sich ent­fal­ten?
Darf ich aus Rosen Dir den Kranz dann win­den?
Wie glück­lich ich, wenn dies Dein Blick beja­het!
Wie schön wird dann das Leben sich gestal­ten,
Denn Rosen­ket­ten wer­den uns ver­bin­den!“

Oder zum Tode eines Freun­des:

„Ihm war das Leben nur ein Weg zum Ziel,
Zum höchs­ten, das ein Edler sich erstre­bet.
Zum Ziel der Tugend! Und des Segens viel
Trägt sei­ne Spur! Sie zeugt, dass er gele­bet.“

Am 27. Mai 1841 ver­starb Arnol­di nach kur­zer Krank­heit in sei­nem Wohn­haus am obe­ren Haupt­markt. Sein Wahl­spruch „Für ande­re leben heißt sich sel­ber leben“ spie­gelt sich in einem erfüll­ten Wir­ken wider, das ihn zu einem der größ­ten Söh­ne Gothas wer­den ließ.

Lite­ra­tur:

  • Emming­haus, Arwed (Hrsg.), Geschich­te der Lebens­ver­si­che­rungs­bank für Deutsch­land zu Gotha zur Fei­er der fünf­zigs­ten Wie­der­kehr des Tages der Begrün­dung der Bank. Her­mann Böhlau, Wei­mar 1877
  • Erken­bre­cher, Hans, Ernst Wil­helm Arnol­di 1778–1841. Grün­der der Gotha­er Ver­si­che­rungs­ban­ken. Eine Bio­gra­phie. Gotha­er Ver­si­che­run­gen Köln/Göttingen 1995
  • Lan­des­zen­tra­le für poli­ti­sche Bil­dung (Hrsg.), Thü­rin­gen, Blät­ter zur Lan­des­kun­de Nr. 52. Erfurt 2004
  • Sam­wer, Karl (Hrsg.), Hun­dert Jah­re Gotha­er Lebens­ver­si­che­rungs­bank auf Gegen­sei­tig­keit

1827–1927. Eine Fest­schrift. Ver­lag der Engel­hard-Rey­­her­­schen Hof­buch­dru­cke­rei, Gotha 1927

  • Schnei­der, Gott­lob, Gotha­er Gedenk­buch. Des Gotha­er Weg­wei­sers drit­te umge­ar­bei­te­te und ver­mehr­te Auf­la­ge. Stoll­berg­sche Ver­lags­buch­hand­lung, Gotha 1906

© Horst Grö­ner (2010)

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