Rudolph Zacha­ri­as Becker (1752 — 1822)
Rudolph Zacha­ri­as Becker (nach einem von Tisch­bein gemal­ten und von Schlot­ter­beck gesto­che­nen Bild­nis) 1)

Rudolph Zacharias Becker (1752 — 1822)

Der Volks­schrift­stel­ler, Leh­rer, Jour­na­list und Ver­lags­buch­händ­ler der Auf­klä­rung wur­de am 9. April 1752 in Erfurt gebo­ren. Er hat­te in Jena Theo­lo­gie stu­diert und sich nach kur­zer Lehr­tä­tig­keit sich der Her­aus­ga­be ver­schie­de­ner Zei­tun­gen gewid­met, der „Deut­schen Zei­tung für die Jugend“, der „Natio­nal­zei­tung der Deut­schen“ und des „All­ge­mei­nen Anzei­gers der Deut­schen“, die nach sei­ner 1784 erfolg­ten Über­sie­de­lung in Gotha erschie­nen. Er wohn­te in Gotha in der Augus­ti­ner­stra­ße 12 mit einem Vor­gar­ten und einem Garten

an der Rück­sei­te des Hau­ses, der sich bis an den Lein­a­gra­ben erstreck­te (1). Becker war in Gotha ein hoch ange­se­he­ner Mann, der sich offen zu sei­ner patrio­ti­schen Gesin­nung bekannte.

Als Her­aus­ge­ber der „Natio­nal­zei­tung der Deut­schen“ ver­öf­fent­lich­te er einen Arti­kel, der als Majes­täts­be­lei­di­gung Napo­le­ons I. auf­ge­fasst wur­de. Des­halb erschien am 30. Novem­ber 1811 eine Grup­pe fran­zö­si­scher Kür­as­sie­rer, nah­men ihn fest und führ­ten ihn in die Kase­mat­ten nach Mag­de­burg ab. Alle Bemü­hun­gen ein­fluss­rei­cher Freun­de, die zu einer Befrei­ung füh­ren soll­ten, waren ver­geb­lich. Am 25. April 1813 pas­sier­te Napo­le­on I. aus Mos­kau kom­mend Gotha.

Damals gab es die jet­zi­ge Erfur­ter Land­stra­ße noch nicht. Der Fahr­weg ging von der Moh­ren­stra­ße aus bei dem ‚Gast­hof zum Moh­ren’ vor­über, in wel­chem auch Napo­le­on mehr­fach logiert hat­te, durch eine Hohlung

auf die Schlich­te und traf da, wo heu­te die Kran­­ken­haus-Apo­­the­­ke steht, die Gotha­er Stra­ße. Als Napo­le­ons Wagen die­se Anhö­he erreich­te, warf sich die Frau Hof­rat Becker vor dem Wagen des Kai­sers auf den Boden nie­der und fleh­te um Frei­heit für ihren Gatten.“

Madame, vous rever­rez vot­re mari“ 2) („Madame, Sie wer­den ihren Mann wie­der sehen“), sag­te Napoleon.
Am 5. Mai 1813 wur­de Becker aus der Haft ent­las­sen und kehr­te nach Gotha zurück.

Als Ver­fas­ser des Noth- und Hülfs­büch­lein für Bau­ers­leu­te (1788), das zahl­rei­che Auf­la­gen erleb­te, spä­ter in zwei Tei­len erschien und von dem unge­fähr eine hal­be Mil­li­on Exem­pla­re gedruckt wur­den, war Becker Autor des meist­ver­brei­te­ten welt­li­chen Buchs im Deutsch­land des 18. Jahr­hun­derts und ein füh­ren­der „Volks­auf­klä­rer“ sei­ner Zeit, der die Ideen der Auf­klä­rung in brei­te­re Volks­schich­ten ein­führ­te. Die ers­ten Druck­bo­gen wur­den in Gotha her­ge­stellt, von wo sie an Dru­cke­rei­en in Rudol­stadt, Sulz­bach und Schwe­rin wei­ter­ge­lie­fert wur­den. Allein die Gotha­er Ori­gi­nal­aus­ga­be erleb­te zwan­zig Auf­la­gen in der Zeit zwi­schen 1788 und 1801. 3)

Die bei­den Tei­le des Noth- und Hülfs­büch­leins bie­ten Rat­schlä­ge und Infor­ma­tio­nen für eine ver­nünf­ti­ge Lebens­füh­rung und eine fort­schritt­li­che Orga­ni­sa­ti­on der länd­li­chen Land- und Haus­wirt­schaft, unter

ande­rem auch zur Bil­dung einer dörf­li­chen Brand­gil­de. Ein­ge­klei­det in eine roman­haf­te Hand­lung, woll­ten Beleh­rung und Unter­hal­tung Hand in Hand gehen. Die 1788 und 1798 erschie­ne­nen Bän­de sind Mus­ter­bei­spie­le für die Volks­auf­klä­rung vor und nach der Fran­zö­si­schen Revolution.

Rudolph Zacha­ri­as Becker starb am 28. März 1822 in Gotha. Er wur­de auf dem dama­li­gen Fried­hof II an der Eisen­acher Stra­ße begraben.

Grab­stät­ten auf dem Fried­hof II:

Nr. 43 Fried­rich Gott­lieb Becker (Sohn)
Nr. 44 Rudolph Zacha­ri­as Becker
Nr. 45 Ernst Eugen Becker (Sohn)

Grab­stät­ten auf dem Fried­hof II:

 

Lite­ra­tur:

1) Schnei­der, Gott­lob: Gotha­er Gedenk­buch. Stoll­berg­sche Ver­lag­buch­hand­lung, Gotha 1908
2) o.V.: Rudolph Zacha­ri­as Becker und Napo­le­on. In: Rund um den Frie­den­stein, Jahr­gang 3, Nr. 26, Art.: 6, 22. 12. 1926
3) Böning, Hol­ger: Gotha als deut­scher Haupt­ort volks­auf­klä­re­ri­scher Publi­zis­tik. Thü­rin­gen — Blät­ter zur Lan­des­kun­de Nr. 52, hrsg. von der Lan­des­zen­tra­le für poli­ti­sche Bil­dung Thü­rin­gen, Erfurt 2004
4) Bau­er­feind, Gün­ter; Tittlepp, Die­ter; König, Rai­ner: Fried­hö­fe und Begräb­nis­stät­ten in Gotha. URANIA Gotha 2012

Abbil­dungs­nach­weis: 1) Phil­adel­phia Muse­um of Art: Staats­män­ner und Gelehr­te, Abbil­dung 4, J. F. Frau­en­holz, Nürn­berg 1795–1809

© Die­ter Schna­bel, Gotha 2017

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